Strafgesetzbuch (StGB)

§ 229 StGBFahrlässige Körperverletzung

Besonderer Teil › Siebzehnter Abschnitt: Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit

Gesetz: StGBStand der Fassung: 02.07.2026Quelle: gesetze-im-internet.de
Gesetzestext § 229 StGB (amtliche Fassung)

Wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Amtliche Quelle: Strafgesetzbuch, § 229, Neuf: Neugefasst durch Bek. v. 13.11.1998 I 3322; | Stand: zuletzt geändert durch Art.…, abgerufen über gesetze-im-internet.de.

✓ Redaktionell geprüft von Dr. Martin Hellwig am 26.08.2026

Kurz erklärt: Was regelt § 229 StGB?

§ 229 StGB stellt die fahrlässige Körperverletzung unter Strafe. Anders als bei § 223 StGB will der Täter hier niemanden verletzen. Er verursacht die Verletzung durch Unachtsamkeit, also weil er die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt.

Voraussetzungen der Strafbarkeit:

  • Eine Körperverletzung bei einer anderen Person, also eine körperliche Misshandlung oder Gesundheitsschädigung.
  • Ein sorgfaltswidriges Verhalten des Täters. Maßstab ist, was ein besonnener Mensch in der konkreten Lage und Rolle beachtet hätte.
  • Die Verletzung muss objektiv zurechenbar auf dem Sorgfaltsverstoß beruhen. Sie muss außerdem für den Täter vorhersehbar und vermeidbar gewesen sein.

Rechtsfolge: Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. In der Praxis enden viele Verfahren mit einer Geldstrafe oder werden bei geringer Schuld eingestellt, häufig gegen Auflagen. Die Tat wird nach § 230 StGB grundsätzlich nur auf Strafantrag verfolgt, es sei denn, die Staatsanwaltschaft bejaht das besondere öffentliche Interesse an der Strafverfolgung.

Typische Fälle: Verkehrsunfälle mit Verletzten, etwa nach Vorfahrtsverstößen oder zu geringem Abstand, Behandlungsfehler von Ärzten, Verstöße gegen Verkehrssicherungspflichten, ungesicherte Baustellen, Sportunfälle bei grobem Regelverstoß oder der Hundehalter, dessen unangeleinter Hund einen Passanten zu Fall bringt.

Abgrenzung: Bei Vorsatz, auch bedingtem Vorsatz, greift § 223 StGB oder bei gefährlicher Begehung § 224 StGB. Stirbt das Opfer, liegt fahrlässige Tötung nach § 222 StGB vor. Im Straßenverkehr kommen daneben Gefährdungsdelikte wie § 315c StGB in Betracht. Zivilrechtlich steht neben der Strafbarkeit häufig ein Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld aus § 823 BGB im Raum.

Wichtig ist die Rolle des Vertrauensgrundsatzes: Wer sich selbst verkehrsgerecht verhält, darf in der Regel darauf vertrauen, dass andere sich ebenfalls an die Regeln halten. Dieses Vertrauen endet aber, wenn erkennbar ist, dass sich jemand fehlerhaft verhält, etwa bei Kindern am Fahrbahnrand.

Beispiel aus der Praxis

Herr Kraus fährt mit dem Auto aus einer Grundstücksausfahrt und übersieht dabei einen Radfahrer auf dem Radweg. Der Radfahrer stürzt und bricht sich das Schlüsselbein. Herr Kraus wollte niemanden verletzen. Er hat aber die erforderliche Sorgfalt verletzt, denn beim Ausfahren aus einem Grundstück muss er sich vergewissern, dass der Weg frei ist. Die Verletzung war vorhersehbar und vermeidbar. Herr Kraus hat sich wegen fahrlässiger Körperverletzung strafbar gemacht. Stellt der Radfahrer Strafantrag, muss Herr Kraus in der Regel mit einer Geldstrafe rechnen, dazu kommen zivilrechtliche Ansprüche auf Schmerzensgeld.

Häufige Fragen zu § 229 StGB

Was ist der Unterschied zwischen § 223 und § 229 StGB?

§ 223 StGB setzt Vorsatz voraus, der Täter will die Verletzung oder nimmt sie billigend in Kauf. Bei § 229 StGB handelt der Täter unachtsam, ohne Verletzungswillen. Der Strafrahmen der fahrlässigen Körperverletzung ist deshalb niedriger: bis zu drei Jahre statt bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.

Welche Strafe droht bei fahrlässiger Körperverletzung im Straßenverkehr?

Das Gesetz sieht Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor. Bei einem durchschnittlichen Verkehrsunfall mit leichten Verletzungen ist in der Regel eine Geldstrafe zu erwarten, häufig kommt eine Einstellung gegen Auflage in Betracht. Dazu können Punkte in Flensburg und je nach Fall ein Fahrverbot kommen.

Braucht die Staatsanwaltschaft einen Strafantrag des Verletzten?

Grundsätzlich ja. Die fahrlässige Körperverletzung ist nach § 230 StGB ein Antragsdelikt. Ohne Strafantrag wird nur ermittelt, wenn die Staatsanwaltschaft ein besonderes öffentliches Interesse an der Strafverfolgung bejaht. Das kommt etwa bei erheblichen Verletzungen oder grobem Fehlverhalten vor.

Ist ein Behandlungsfehler des Arztes eine fahrlässige Körperverletzung?

Das kommt darauf an. Verstößt der Arzt gegen den medizinischen Standard und wird der Patient dadurch geschädigt, kann eine fahrlässige Körperverletzung vorliegen. Auch eine Behandlung ohne wirksame Aufklärung und Einwilligung kann strafbar sein. Solche Verfahren hängen meist von medizinischen Gutachten ab.

Kann ich mich bei einem Sportunfall strafbar machen?

Bei Sportarten mit Körperkontakt gilt: Wer sich im Rahmen der Regeln bewegt, handelt in der Regel nicht sorgfaltswidrig, denn die Teilnehmer willigen in das sporttypische Risiko ein. Strafbar kann aber ein grober, rücksichtsloser Regelverstoß sein, etwa ein brutales Foul weit abseits des Balls.

So zitierst du diese Norm
§ 229 StGB  ·  Absatz/Satz anfügen: § 229 Abs. 1 S. 1 StGB

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